Saisonrückblick 2025/26

Die Saison 2025/26 begann mit einer guten Vorbereitung, bekam gegen Ende aber noch einen kleinen Dämpfer. Anhaltende Rückenschmerzen machten die letzten Wochen vor dem Winter schwierig. Umso schöner war dann der Moment, als ich Mitte Dezember nach 359 Tagen endlich wieder im Start Tor stand. Mein Comeback feierte ich beim FIS-Riesenslalom in Davos. Die Rennen liefen mit zwei Ausfällen zwar nicht wie geplant, doch die Resultate waren in diesem Moment nebensächlich. Die Freude, endlich wieder Rennen fahren zu können, war riesig.

Nur eine Woche später standen bereits die ersten EC-Rennen in St. Moritz auf dem Programm. Mit zwei Abfahrten gelang mir dort ein sehr guter Einstieg in meine Comeback-Saison. Mit Rang 8 fuhr ich mein erstes Top-10-Resultat im EC heraus, dazu kam ein guter 12. Rang im zweiten Rennen. So in die Saison zurückzukehren, war eine grosse Erleichterung und gab meinem Selbstvertrauen enorm viel zurück.

Ende Dezember folgte noch ein kurzer GS-Trainingsblock in Adelboden. Die Bedingungen waren anspruchsvoll, gleichzeitig tat mir das Training aber sehr gut. Im Januar standen zunächst einige gute Super-G-Trainingstage in Watles an, bevor es Mitte Januar mit zwei EC-Abfahrten in Pass Thurn weiterging. Im ersten Rennen gelang mir mit Rang 7 direkt das nächste EC-Bestergebnis. Im zweiten Rennen durfte ich sogar kurz von meinem ersten EC-Podest träumen. Nachdem die Topfavoritinnen bereits im Ziel waren, lag ich zwischenzeitlich auf Rang 2. Doch wie es im Outdoorsport manchmal läuft, änderten sich die Bedingungen plötzlich: Die Sonne kam heraus, die Sicht wurde besser und einige Fahrerinnen konnten noch profitieren. Am Ende wurde es Rang 9. Natürlich war das bitter, trotzdem hätte ich einen solchen Saisonstart vor dem Winter sofort unterschrieben.

Eine Woche später standen in St. Anton die ersten EC-Super-G’s an. Es waren zwei tolle Tage, doch die erhofften Resultate blieben aus. Im ersten Rennen fuhr ich mit Rang 30 immerhin noch in die Punkte, im zweiten Rennen schied ich leider aus. Gerade im Super-G merkte ich nach der Verletzung noch deutlich die fehlenden Kilometer und dass das Vertrauen noch nicht ganz zurück war.

Direkt danach ging es weiter nach Hoch Ybrig zu zwei FIS-Super-G’s. Im ersten Rennen schied ich erneut aus, im zweiten zeigte ich dann aber ein  en soliden Lauf und wurde Vierte. Die nächste Station hiess Orcières Merlette. Dort wurde der EC-Super-G wetterbedingt vorgezogen, doch leider schied ich auch dort wieder aus. Das war ein Moment, der mich sehr beschäftigte und frustrierte. Gleichzeitig musste ich mich in diesem Moment glücklich schätzen, dass ich einen Sturz verhindern konnte und nichts schlimmeres passiert ist.

In der anschliessenden EC-Abfahrt zeigte ich mit Rang 11 erneut eine konstante Leistung und konnte vorne mitfahren. Gleichzeitig merkte ich aber auch, wie meine Ansprüche immer höher wurden. Ein zuvor sehr gutes Resultat fühlte sich plötzlich nicht mehr ganz genug an, weil ich wusste, dass noch mehr möglich wäre. Die zweite Abfahrt fiel leider dem Wetter zum Opfer.

Anfang Februar standen zwei Super-G EC-Rennen im Sarntal an. Im ersten, sehr stark besetzten Rennen verpasste ich mit Rang 32 die Punkte nur knapp. Im zweiten Rennen konnte ich leider nicht mehr starten, da ich nach dieser intensiven Zeit krank wurde. Nach einer Woche Pause reiste ich erholt ins Trainingslager nach Kartitsch. Dort trainierten wir drei Tage Super-G, und diese Tage gaben mir endlich wieder ein wenig Selbstvertrauen zurück. Zum ersten Mal seit meiner Verletzung fühlte ich mich im Super-G wieder wohl.

Direkt danach folgten zwei FIS-Super-G’s in St. Lambrecht. Zwar konnte ich das gute Gefühl aus dem Training noch nicht komplett umsetzen, trotzdem verbesserte ich mit Rang 5 meine FIS-Punkte. Eine Woche später fuhr ich zwei GS-Rennen in Flumserberg und konnte in beiden Rennen meine bisherigen Bestpunkte erzielen. Das zeigte mir, dass trotz Fehlern auch im GS ein klarer Schritt nach vorne gegangen ist.

Dann stand plötzlich das bisher grösste Rennen meiner Karriere vor der Tür: die Junioren-WM in Narvik. Zwei Jahre musste ich mich gedulden, bis ich endlich teilnehmen durfte, und ich wollte nicht einfach nur dabei sein. Ich wollte eine Medaille gewinnen. Schon lange vor der JWM war für mich klar: Ohne Medaille nach Hause zu reisen, würde sich wie eine riesige Enttäuschung anfühlen. Der Druck, den ich mir selbst machte, war anfangs fast unheimlich. Gemeinsam mit meiner Mentaltrainerin arbeitete ich aber sehr intensiv daran, und je näher die Rennen rückten, desto bereiter fühlte ich mich.

Zuerst stand die Abfahrt auf dem Programm. Als bestklassierte U21-Fahrerin im EC freute ich mich extrem auf diese Chance. Doch dann wurde das Rennen wegen des Wetters abgesagt. Dieser Moment war unglaublich schwer zu akzeptieren. Es tut bis heute weh, weil ich die Chance auf die Medaille, die ich mir tausendmal vorgestellt hatte, gar nie bekommen habe. Lieber wäre ich an der Herausforderung gescheitert, als sie gar nicht erst fahren zu dürfen. Rückblickend bin ich aber überzeugt, dass mich genau diese Erfahrung irgendwann stärker machen wird.

Viel Zeit zum Nachdenken blieb nicht, denn bereits am nächsten Tag stand der Super-G an. Die Erwartungen waren dort aufgrund meiner bisherigen Resultate etwas tiefer. Ich wusste aber: Mit einem wirklich guten Lauf ist vieles möglich. Die Enttäuschung über die abgesagte Abfahrt entfachte mein Feuer für dieses Rennen noch einmal mehr. Ich wusste, dass es meine letzte Chance auf eine Medaille sein würde.

Noch nie zuvor hatte ich mich am Start so gepusht wie an diesem Tag. Ich war parat. Gleich im Steilhang unterlief mir zwar ein Fehler, doch ich liess mich nicht aus dem Konzept bringen und nahm viel Geschwindigkeit in die Fläche mit. Zwischenzeitlich sah es sehr gut für eine Medaille aus, doch vier Tore vor dem Ziel war ein Rutscher auf der Linie und ich musste den Lauf abbrechen. Ich bekam einen Re-Run, doch dort gelang es mir nicht mehr, die gleiche Spannung aufzubauen. Bereits bis zur ersten Zwischenzeit verlor ich im Vergleich zu meinem ersten Versuch über fünf Zehntel. Schlussendlich wurde es Rang 8. Mit der späten Startnummer und den schwierigen Bedingungen war das zwar immer noch ein gutes Resultat, aber natürlich nicht das, wofür ich gekommen war.

Auch in der Team-Kombination, zusammen mit Anna Flatscher, verpassten wir als Vierte die Medaille knapp. Wieder fehlte nicht viel. Wieder sollte es einfach nicht sein. Es wird wohl noch einige Zeit brauchen, das vollständig zu akzeptieren. Gleichzeitig habe ich die „grosse“ WM 2029 in Narvik schon jetzt im Hinterkopf, als Motivation und Revanche;)

Nach der JWM folgten einige ruhigere Tage und ein paar Trainings, bevor das EC-Finale in Saalbach anstand. Dieses Finale spiegelte meine ganze Saison noch einmal perfekt wider: Im Super-G lief es mit Rang 34 enttäuschend, in der Abfahrt gelang  mir dafür mit Rang 9 erneut ein Top-10-Resultat. Damit belege ich in der EC-Disziplinenwertung der Abfahrt Rang 7. Etwas, worauf ich nach dieser schwierigen Zeit unglaublich stolz bin. Meine Erwartungen an die Comeback-Saison habe ich damit definitiv übertroffen.

Direkt danach standen noch zwei FIS-Abfahrten in Axamer Lizum auf dem Programm, wo ich die Ränge 2 und 7 erreichte. Zum Abschluss der Saison ging es nach St. Moritz zu den Schweizer Meisterschaften – jedes Jahr ein besonderes Highlight. Bei mir war die Luft zu diesem Zeitpunkt aber langsam draussen. In der Abfahrt wurde ich Neunte, im Super-G schied ich aus.

Trotzdem überwogen am Ende klar die positiven Gefühle. Nach zwei aufeinanderfolgenden Verletzungen durfte ich endlich wieder eine komplette Saison ohne grössere Rückschläge bestreiten. Allein das fühlte sich bereits wie ein kleiner Sieg an. Natürlich passt noch nicht alles perfekt zusammen, doch ich darf mit dieser Saison definitiv zufrieden sein. Auch die Rückenschmerzen haben mich praktisch die ganze Saison begleitet. Optimal war das natürlich nicht, trotzdem habe ich es geschafft, die Saison ohne grössere Defizite durchzubringen. Für den kommenden Sommer werde ich alles investieren, damit ich auch diese Probleme endlich in den Griff bekomme und nächstes Jahr wieder komplett ungebremst trainieren kann.

Diese Saison hat mir viel Selbstvertrauen zurückgegeben und gezeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Jetzt gilt es, darauf aufzubauen und im nächsten Jahr vor allem im Super-G noch mehr Sicherheit und Konstanz zu finden.

Zum Schluss möchte ich mich von Herzen bei meinem Umfeld, meinen Betreuern und Sponsoren bedanken, dass das Ganze nicht nur ein Traum bleibt, sondern wirklich meine Realität ist. Vielen Dank euch allen für die Unterstützung und dafür, dass ihr mir das alles ermöglicht!